Begründet glauben. Denkangebote für Skeptiker und Glaubende (Rezension und Interview)

„Begründet glauben“ möchte Stephan Lange, Lehrer an einer evangelikalen Bekenntnisschule. Nicht nur der Titel des Buches ist mir sympathisch. Auch die persönliche Widmung in meinem Exemplar, der Text .Pt. 3,15, wird ja häufig als biblischer Begründung für Weltanschauungsarbeit zitiert.

Also ein Buch, das mitten in mein Arbeitsfeld zielt.

Stephan Lange nimmt Bezug auf seinen blog „mitdenken“ und  will sich mit „halbgaren“ Antworten, die allzu schnell Gott als Erklärung für Alles heranziehen, nicht zufrieden geben.

Mit diesem Ziel untersucht er knapp und verständlich in sieben Kapiteln grundlegende Fragen, bei denen christlicher Glaube nicht erst seit heute herausgefordert wird. Die Gottesfrage wird zum Thema ebenso wie historische Fragen rund um Jesu Leben, Tod und Auferstehen, Wahrheitsfragen und schließlich auch das Thema Leid.

Natürlich können auf 177 Seiten diese Themen nicht erschöpfend geklärt werden. Der Grundansatz wird aber an jeder Stelle deutlich: Es gibt ihm darum, in der Auseinandersetzung um den christlichen Glauben skeptischen Einwänden zu begegnen und seinerseits Argumente zu entwickeln. Daher vermeidet er stets Grenzüberschreitungen aus christlicher Sicht, die allzu schnell Gott aus dem Hut zaubern als Erklärung für alles. Er verwehrt sich aber umgekehrt auch Kritiken am Christentum, die einer genauen Begründung nicht standhalten. Christlicher Glaube erscheint hier vernunftfreundlich. Langes Ziel ist es, den christlichen Glauben als begründet und begründbar und nicht einfach als irrational zu verdeutlichen. Am Beispiel von Intelligent Design oder dem Anthropischen Prinzip  erläutert er sehr nachvollziehbar, dass hier durchaus erklärungsbedürftige Phänomene vorliegen, die aber nicht als Beweis für Glaubenswahrheiten dienen können. Ähnlich verfährt er mit der weltanschaulich immer wieder aufgeworfenen Frage nach der Wahrheit im religiösen Pluralismus. Wenn er sein Toleranzverständnis formuliert (S.71), dann finde ich meinen Arbeitsbereich gut beschrieben: Wir könne auf den religiösen Pluralismus nie aus einer Vogelperspektive schauen, sondern immer nur perspektivisch gebunden an die eigene Weltsicht. Dies darf mich aber nicht daran hindern, andere Perspektiven wahrzunehmen, auszuhalten und diese Differenz produktiv -  und Lange würde vielleicht sagen: „begründet glaubend“ – zu bearbeiten. „Dialog und Unterscheidung“  wird es in der Weltanschauungsarbeit genannt.

Das Buch lädt aber nicht nur zum Mitdenken ein, sondern bietet im Verweis auf Stephan Langes blog konkret die Möglichkeit dazu an, mit ihm diese Themen weiter zu verfolgen. Denn wie er richtig sagt: Diese Themen kommen auch am Schluss dieses Buches nicht an ihr Ende.

Wer also nach guten Begründungen für den christlichen Glauben sucht, dessen Vernunftfreundlichkeit entdecken möchte, wird in diesem Buch fündig.

Stephan Lange: Begründet glauben. Denkangebote für Skeptiker und Glaubende, Neukirchener Verlag Formularende

2. Auflage 2018

ISBN 978-3-7615-6432-5

„Glaube geht auch durch den Kopf – aber eben nicht nur!“

Der Autor Stephan Lange im Interview

Was war der Anlass, nicht nur zu bloggen, sondern ein Buch zu veröffentlichen? Was ist neu gegenüber deinem blog?

Oh, das war ehrlich gesagt gar nicht meine Idee, der Neukirchener Verlag kam im Februar 2016 mit dieser Anfrage auf mich zu. Ich hatte zwar gelegentlich schon einmal mit dem Gedanken gespielt, ein Buch zu kritischen Fragen an den christlichen Glauben zu schreiben – die Initialzündung dazu kam aber von außen. Ich würde auch nicht sagen, dass das Buch „neue“ Gedanken enthält, ich denke dort wie im Blog gleich. Vorteil des Buches ist freilich, dass sich dort die Zusammenhänge von der allgemeinen „Existiert Gott?“-Frage bis hin zum konkreten Blick auf die Auferstehung Jesu viel deutlicher und eindrücklicher zeigen lassen. Da ist Papier dem Internet doch weit überlegen.

Hast du bei den von dir aufgezählten skeptischen Einwänden konkrete Erfahrungen im Blick?

Viele sogar! Ich erinnere mich noch sehr gut an einen skeptischen Physikstudenten an der Uni Bielefeld, der eindrücklich darauf bestanden hat, dass es keine vernünftigen Hinweise für die Existenz Gottes gibt. Vielleicht bekommt er das Buch ja eines Tages nochmal in die Finger, es würde mich freuen. Auch alle anderen Themen, die ich im Buch abklopfe, kamen spätestens in der Fragerunde nach Hörsaalvorträgen zur Diskussion. Und einige der Fragen hatten auch mich bewegt, als ich noch kein Christ war – deshalb kann ich Leute, die solche Rückfragen haben, auch gut nachvollziehen.

Wo siehst du Grenzen eines begründeten Glaubens, wo ist er „höher als alle Vernunft“?

Glaube ist freilich etwas Ganzheitliches und nicht nur eine Sache des Verstandes. Jesus sagt schließlich nicht umsonst: „Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Verstand!“ (Mt 22,37) Heißt also: Glaube geht auch durch den Kopf – aber eben nicht nur! Wenn Paulus und also daran erinnert, dass menschliches Wissen nur Stückwerk ist, hat er damit natürlich sehr Recht! Leider erlebe ich trotzdem immer wieder Christen, die ihren eigenen Standpunkt zu bestimmten Themen sehr dominant verkünden – ich rate da vielmehr zur Demut. Ich denke, dass ein Glaube, der nur auf Vernunftgründen aufbaut, schwer von Herzen kommen kann, und ein Glaube, der nur auf Herzenserfahrungen beruht, etwas Wichtiges verpasst.

Was hast du an kritischen Stimmen über dein Buch gehört? Was würdest du in einer zweiten Auflage verbessern, weglassen, ergänzen, umschreiben…?

Die meisten E-Mail-Rückmeldungen, die ich bislang bekam, waren überwiegend positiv – aber natürlich waren auch ein paar negative dabei. Da ging es aber um Grundlegendes wie „Sie schreiben zwar am Anfang, dass Ihr Buch niemanden zum Christen bekehren soll, aber das schreiben Sie doch nur, damit es sich gut anhört. Eigentlich wollen Sie doch genau das!“ Gegen solche Art von Unterstellungen hat man natürlich keine Chance, da konnte ich im Mailkontakt immer wieder betonen, dass ich ehrlich meine, was ich schreibe – es half nichts. Es fehlen mir – ehrlich gesagt leider – die wirklich skeptischen Rückfragen zum Buch, in eine tatsächliche Diskussion über die konkreten Inhalte kam es bislang noch nicht. Und die zweite Auflage kommt sogar bald (Februar 2018); hier kam es aber nur zu Feinschliffen wie Rechtschreibkorrekturen etc.

Begründet glauben Band 2: Wie könnte der Inhalt aussehen?

Ich mag die Debattenkultur der US-Amerikaner, in denen zwei Leute über eine Frage diskutieren. William Lane Craig ist natürlich in aller Munde, wenn er mit atheistischen Größen wie Christopher Hitchens und Co. diskutiert. Oder wenn ein Michael Licona mit dem führenden muslimischen Apologeten ins Gespräch kommt. Solche Streitgespräche sind spannend, gerade weil man erst am Ende der Debatte sehen kann, wer die besseren Argumente für seinen Standpunkt vorgebracht hat. Solch ein Format würde mich durchaus reizen.

Vielen Dank, Stephan, für dieses Interview.

Andreas Hahn

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