Mein Praktikum in der Werkstatt Bibel, dem igm und der MÖWe...

Mein Name ist Irene Joel Matimbwi. Ich komme ursprünglich aus Tansania (Ost-Afrika) und studiere im Moment an der Ruhr Universität den Master Sozialwissenschaft mit dem Schwerpunkt Kultur und Person. Nach den Sommerferien 2021 hatte ich die Gelegenheit acht Wochen lang mein Praktikum beim Institut für Gemeindeentwicklung und missionarische Dienste (igm) und im Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe) zu absolvieren. Es war eine sehr schöne Zeit, da es vielfältig war – auch weil ich nicht nur in einer „Abteilung“, sondern in mehreren tätig war. In folgende Bereiche konnte ich hineinschauen: Entwicklungspolitische Arbeit, Gemeindeentwicklung durch Musik, Gemeindeberatung und auch in die Werkstatt Bibel.

Mein erster Besuch in der Ausstellung war: Wow! Ich wusste nicht, dass es so viele Varianten von Bibeln gibt. Zum Beispiel: Lego-Bibel, Minecraft-Bibel, Und Gott chillte-Bibel, Volx-Bibel, Comic-Bibel etc. Außerdem hat es mich fasziniert, im Besprechungsraum der Werkstatt Bibel, die ganze Bibel an einer Wand gedruckt zu sehen. Und dann auch der kleinsten Bibel zu begegnen, die nur unter dem Mikroskop zu sehen ist.
Jede Ecke war für mich voller Überraschungen, die Kreativität, die in der Ausstellung eingesetzt wurde, regt wirklich zum Nachdenken an und bringt einen dem Thema näher. Mein Highlight war Martin Luthers handschriftlichen Entwurf des Psalms 23 zu sehen. Das hatte auch einen großen Einfluss auf meinen Glauben. Aber dann kommt die Frage, dass trotz aller Vielfalt an attraktiven Bibeln, sich aber immer noch viele junge Menschen zurückhalten, sie zu lesen oder die Kirche zu besuchen. Wo liegt das Problem?

Die Arbeit in der Werkstatt Bibel gab mir die Möglichkeit zu sehen, wie die Bibel in verschiedenen Kulturen unterschiedlich interpretiert werden kann. Es gibt manche Verse, um die in der Suaheli Bibel viel herumerzählt wurde - vor allem wenn es um Themen des Geschlechtsverkehrs geht. Erst am Ende oder im Laufe der Geschichte kann man verstehen, was gemeint ist. Das liegt an den Normen und der Kultur in Tansania, dass über solche Themen nicht so offen geredet wird. So war es immer sehr interessant, alles zu vergleichen, wenn man es auf Deutsch und direkt wieder auf Suaheli liest. Auch die Art und Weise, wie Bibeltexte aus westlicher Sicht interpretiert oder analysiert werden, gefällt mir, da man so viele verborgene Bedeutungen erkennen oder sogar einige Punkte kritisieren kann. Aber ich habe auch gesehen, dass zu viel Analyse die Menschen von der eigentlichen Botschaft ablenkt. Wenn sie einen Text lesen, konzentrieren sie sich vielleicht nicht auf das, was Gott zu ihnen spricht, sondern wenden sich direkt politischen Angelegenheiten zu. Wir vergessen, was die erste Absicht die Botschaft selbst war. Das habe ich bei der westlichen Analyse der Bibel erlebt. Es ist sehr gut kritisch zu sein, da es uns dazu bringt, uns vorwärts zu bewegen, aber wir sollten uns nicht selbst verlieren. Ein kleines Beispiel: Wenn wir argumentieren, ob Gott männlich oder weiblich ist, ist das nicht schlimm. Jeder hat einen guten Grund dafür Gott als Mutter oder Vater zu sehen. Nicht alle hatten eine gute Erfahrung mit einer Mutter oder sind sogar nie mit einer Mutter aufgewachsen, vielleicht mit einer Tante oder einem Großvater, so dass das für sie die wichtigste Person war. Am Ende des Tages werden wir eine Liste von Namen aufstellen und sagen dann im "Vater unser" Gebet „unsere Mutter“, „unsere Großmutter“, „unser Onkel“. Es ist kein Problem für mich „Mutter Unser“ zu beten. Mein Punkt ist, dass es das Wichtigste ist, zu wissen und zu sehen, wie ich mit dieser Person in meinem Leben in Beziehung stehe. In meinem Heimatland konzentrieren wir uns nicht so sehr auf das Geschlecht Gottes, auch wenn wir darüber reden, aber wir konzentrieren uns nicht so sehr darauf, wer er ist, ob weiblich oder männlich, sondern wie er unser Leben beeinflusst. Jeder bezieht sich auf Gott, je nachdem wie er oder sie sich fühlt. Weiterhin: Unser Lebensstandard oder Wohlstand kann uns manchmal auch verwirrende Möglichkeiten erkennen lassen. Oft denken wird dann, dass das von Gott gegeben ist und wir denken, dass es einfach normal ist. Wenn wir die Wunder von Jesus hören, scheint es eher eine Geschichte aus der Vergangenheit zu sein, aber Jesus tut weiterhin Wunder in unserem täglichen Leben, nicht notwendigerweise, dass wir über das Wasser laufen, sondern auf so viele andere Arten, aber wir sind blind, um es zu erkennen.

Ich hatte die Gelegenheit auch ein Projekt zu machen. Darin habe ich die Besucher mehr in Richtung Tansania gebracht, damit sie auch etwas von meiner Kultur lernen. Es hat viel Spaß und Zusammengehörigkeit gebracht. Ich habe über die Bibel-Wahrnehmung in Tansania erzählt und wie weit die Bibel in meinem Land übersetzt ist. In meinem Land werden mehr Sprachen gesprochen außer Suaheli und Englisch. Es gibt weitere 128 Sprachen. Es war eine großartige Chance für mich, da ich die Möglichkeit hatte, verschiedene Arten von Menschen kennenzulernen, sowohl Gläubige als auch Nicht-Gläubige. Und ich konnte sehen, was ihre Ansichten sind, und ich habe es immer in meinem Kontext reflektiert und gesehen, wie wir zusammenhängen und wie wir uns unterscheiden. Ich habe meine Zeit auch sehr genossen, denn wir hatten auch zusammen musiziert, was ich gerne mache. Darüber hinaus hatte ich tolle Arbeitskollegen, die bereit waren, mir zu helfen und mir etwas zu zeigen und mich zu leiten, denn sie waren wirklich sehr offen, so dass ich mich wohl fühlte. 

In allem schätze ich es sehr, dass es die Werkstatt Bibel gibt, wo man sich der Geschichte der Bibel und vielen anderen Dingen, die damit zusammenhängen, annähern und sich informieren kann. Ich mag den westlichen Fokus auf die Bibel, vor allem auf die Darstellung von Jesus, was auch sehr gut ist, da es jedem Wesen die Möglichkeit gibt, sich selbst in Beziehung zu setzen. Aber was wir nicht vergessen sollten, ist die Frage, wie wir mit Jesus in unserem Leben in Beziehung kommen, wer Gott für uns ist. Sehen wir ihn? Wie? Viele können leicht antworten, er ist mein Freund, aber wie? Ich denke, das Wichtigste ist der Samen. Wenn kein Samen darin ist, selbst wenn es reichlich Dünger und Wasser gibt, wird nichts wachsen. Lasst uns helfen, dass die Menschen erkennen, dass Gott in ihrem eigenen Leben lebendig ist, indem wir die Dinge in Beziehung setzen, Gott in ihrem eigenen Leben zu realisieren. Möge Gott euch alle segnen und euch erkennen lassen, dass alles, was ihr erhaltet, nicht zufällig ist. Mögen wir alle seine Güte in unserem Leben sehen: Mungu akubariki. Gott segne dich

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