Christliches Yoga

Yoga als Christin oder Christ?

Übernehme ich damit nicht eine indische Religiosität?

Und wenn es nur um gymnastische Übungen geht: Sollte man dann überhaupt von „Yoga“ sprechen?

Das sind Fragen, die sich schnell stellen, wenn es um die Beziehung zwischen christlichem Glauben und Yogapraxis geht. Und sie haben auch ihre Berechtigung. Dürfen wir in einem kirchlichen Institut „Yoga“ anbieten und fördern?

Wir haben uns sehr intensiv mit diesen Fragen auseinandergesetzt und sind der Entstehungsgeschichte und dem Selbstverständnis vor allem des körperbezogenen Yogas –denn darum geht es ja in unserem Arbeitsfeld „Körper und Glaube“ – nachgegangen.


Yoga und Spiritualität

Yoga wird meist als ein jahrtausendealter spiritueller Heilsweg im Hinduismus gesehen. Yoga-Übungen seien daher untrennbar mit den hinduistischen Vorstellungen von Gott, Welt und der Erlösung des Menschen verbunden.

Neuere Studien zur Entstehungsgeschichte des modernen, körperbezogenen Yogas bestreiten diesen Zusammenhang. Das was heute unter Yoga verstanden wird, ist das Ergebnis eines langen interkulturellen Aushandlungsprozesses, bei dem neben hinduistischer Philosophie in hohem Maße westliche Gymnastik-, Fitness- und Bodybuilding-Szenen eine Rolle spielen. Das heutige moderne, gerne auch „authentisch“ bezeichnete Yoga hat kaum noch etwas mit dem zu tun, was beispielsweise in den Patanjali-Sutren als Quellen hinduistischer Yoga-Tradition zu finden ist.

Von Anfang an spielten also europäische Einflüsse in der Entwicklung der Yogapraxis, wie wir sie heute kennen, eine große Rolle. Über die Engländer als Kolonialmacht in Indien fand die damalige Gymnastikform aus Schweden den Weg ins dortige Militär. Yoga hat sich aus einer Kombination von Meditation und den Gymnastik-Übungen aus Europa entwickelt und war zu keiner Zeit ausschließlich an eine einzige Religion gebunden.

Die These, nach der sich das moderne körperbezogene Yoga unmittelbar aus hinduistischen Quellen speise oder wenigstens Teilaspekte spiegele, folgte also eher einer Deutung, die beispielsweise im indischen Nationalismus einer ownership über Yoga als genuin indisch behaupten möchte. Die tatsächliche Entwicklung zeigen dagegen die dargestellten Aushandlungsprozesse.

Zusammenfassend schreibt Professorin Claudia Jahnel, die an der Ruhr-Universität Bochum im Fachbereich Interkulturelle Theologie und Körperlichkeit lehrt und u.a. über die Entstehungsgeschichte des Yogas forscht:

„Alle Welt glaubt, Yoga komme aus Indien. Das stimmt so aber gar nicht. (…) Das moderne Yoga ist das Ergebnis eines Aushandlungsprozesses zwischen Indien und Europa.“ (news.rub.de)

Zur theologischen und gesellschaftlichen Einordnung hat die evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) Ende 2020 einen Grundlagentext zum Verhältnis von Yoga und christlichem Glauben veröffentlicht.

In diesem Text, der das Verhältnis von Yoga und christlichem Glauben durchleuchtet, werden Herausforderungen und Chancen dieser Begegnung vor dem Hintergrund der Wiedergewinnung einer körpersensiblen Theologie entfaltet.

„Christliches Yoga“ statt „Yoga für Christinnen und Christen“

Heute erleben wir Yoga daher als eine Art Gesellschaftstrend. Für viele Praktizierende ist es in erster Linie eine individuelle Bereicherung und eine Antwort auf die zunehmende Beschleunigung des Alltages, unabhängig von religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen. Auch wenn Yoga nicht an eine einzige Religion gebunden ist, handelt es sich bei Übungen ohne jeden spirituellen Akzent eigentlich nicht um Yoga und man sollte dann besser von „Übungen im Stile des Yoga“ sprechen.

Unser „Christliches Yoga“ ist kein „Yoga für Christinnen und Christen“. Sondern es bietet die Möglichkeit, die biblische Botschaft von unserer menschlichen Leiblichkeit zu erleben und zu erfahren. Denn biblischer Glaube hat in allen Facetten den Leib im Blick. Diese verlorengegangenen zentralen Aspekte wollen wir mit dem Angebot eine sChristlichen Yogas wiederentdecken.

Christliches Yoga in bei uns ein dezidiert christliches Angebot, das sich sowohl von reinen Körperübungen als auch von esoterischen oder fremdreligiösen Einflüssen klar abgrenzt. Anders könnten wir das auch nicht verantworten. Daher laden wir dazu ein, im Rahmen der christlichen Botschaft den Körper neu zu erleben.


EZW-Text 270 Yoga und christlicher Glaube

 Ende 2020 ist der EZW-Text über das Verhaltnis von Yoga und christlichem Glauben erschienen. Vor dem Hintergrund der Wiedergewinnung einer körpersensiblen Theologie werden Herausforderungen und Chancen einer solchen Begegnung entfaltet.

Inhaltsverzeichnis

  • Andreas Hahn: Der Körper als soziales Konstrukt. Körperkultur als theologische und weltanschauliche Herausforderung
  • Peter Wick: Körper-Theologie in der Bibel. Überlegungen zum Umgang mit dem menschlichen Körper
  • Andreas Hahn: Batman, Zombies und reine Geister. 13 Thesen zu Körper und Geist – und ein Blick auf Yoga
  • Claudia Jahnel: Zwischen spiritueller Versenkung und muskulärem Christsein. Yoga als Produkt interkultureller Aushandlungen
  • Pia Wick im Gespräch: „Christliches Yoga“ statt „Yoga für Christinnen und Christen“

Der Text kann gegen eine Spende als Printausgabe im igm oder bei der EZW bestellt werden.

Online ist er hier zu finden.

Pfr Andreas Hahn
Institut für Gemeindeentwicklung und missionarische Dienste
Olpe 35, 44135 Dortmund
Telefon: +49 (231) 54 09 52
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