Corona und Offene Kirchen

Informationen zur Kirchenöffnung während der Corona-Pandemie

Auf dieser Seite finden Sie Informationen der Ev. Kirche von Westfalen zu Fragen der wochentäglichen Kirchenöffnung während der Corona-Pandemie. Diese Seite wird regelmäßig aktualisiert und dem aktuellen Stand der Entwicklungen angepasst! Aktueller Stand: Montag, 6. Januar 2021

1. Zur Frage der Öffnung der Kirche während der Corona-Pandemie
Grundsätzlich ist es auch in Zeiten der Corona-Pandemie erlaubt, die Kirchen wochentags und/oder am Wochenende für Besucherinnen und Besucher zu öffnen. 

2. Offene Kirchen am Sonntag während des Lockdowns
a) Ist eine Öffnung der Kirche am Sonntag anstelle des Gottesdienstes möglich
Ja. Eine "Offene Kirche" am Sonntag anstelle des Gottesdienstes als Ort der Stille und des persönlichen Gebets stellt eine gute Alternative oder Ergänzung dar, wo Kirchengemeinden Gottesdienste nicht oder zumindest nicht in der eigenen Kirche durchführen. Rechtlich gesehen ist eine Kirchenöffnung am Sonntag einem Gottesdienst am Sonntag nicht gleichzusetzen. Ggf. gibt es aber in Ihrem Kirchenkreis andere Regelungen bzw. Empfehlungen für eine Kirchenöffnung am Sonntag. Informieren Sie sich daher bitte vorab auch bei Ihrem Kreiskirchenamt bzw. in Ihrer Superintendentur, wie das Angebot einer Offenen Kirche am Sonntag zu Gottesdienstzeiten beurteilt wird.

Erläuterung: Nach Art. 167 Abs. 1 u. 2 KO versammelt sich im Gottesdienst "die Gemeinde zum Hören des Wortes Gottes, zur Feier der Sakramente, zum Gebet und Lobgesang und zur Darbringung des Dankopfers, wobei eben Predigt und die einzuhaltende Liturgie prägende Elemente sind."

Gem. § 1 Abs. 3 Coronaschutzverordnung NRW vom 30. Nov. 2020 können die Kirchen Regelungen für „Gottesdienste und andere Versammlungen zur Religionsausübung“ aufstellen, die sich an den Regelungen der CoronaSchVO orientieren (S. 1).
Die vorgelegten Regelungen der Kirchen treten für den „ grundrechtlich geschützten Bereich der Religionsausübung“ an die Stelle der Regelungen der CoronaSchVO (S. 2).
Kirchen, die keine eigenen Regelungen vorlegen, unterfallen auch „für Versammlungen zur Religionsausübung“ den Regelungen der CoronaSchVO (unmittelbar) und den Verfügungen der örtlichen Ordnungsbehörden (S. 3 i. Verb. m. § 17 Abs. 1 CoronaSchVO).

Daraus wird dreierlei ersichtlich:

  1. Die Landesregierung NRW überlässt die Ausgestaltung tauglicher Schutzregeln für den „grundrechtlich geschützten Bereich der Religionsausübung“ den Kirchen.

  2. Die Regeln, die die Kirchen die für „Gottesdienste und andere Versammlungen zur Religionsausübung“ aufstellen, sind „vorzulegen“.

Die Regelungen, die die ev. Landeskirchen in NRW den Kirchengemeinden für Gottesdienste jeweils zur Verfügung gestellt haben, hat der Beauftragte bei Landtag und Landesregierung der Staatskanzlei vorgelegt. Die Landesregierung hat die Kirchen am 4.12.2020 darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Bezirksregierungen zur Information der Kommunen entsprechend informiert worden sind.

  1. Der Besuch sog. Offener Kirchen zur Besinnung und zum stillen Gebet fällt unter 1), aber nicht unter 2), weil die Gläubigen hier einzeln ihrer Religionsausübung nachgehen und sich somit gerade nicht versammeln. Mithin begründet hier § 1 Abs. 3 CoronaSchVO auch keine Pflicht zur Vorlage der von der Kirche aufgestellten Regelungen für diesen Bereich.

Hinweis: Bei der konkreten Umsetzung ist jedoch darauf zu achten, dass sich die Kirchenöffnung am Sonntag nicht als ein lediglich reduzierter Gottesdienst mit verkürzter Liturgie darstellt bzw. als solcher umgesetzt wird. Daher sind folgende Punkte zu beachten bzw. umzusetzen:

  • Öffentlichkeitsarbeit: Wichtig ist daher, dass deutlich - medial wie vor Ort - kommunziert wird, dass es sich bei dem Angebot der Offenen Kirche nicht um einen Gottesdienst handelt und dass während der Öffnungszeiten kein Programmangebot, z.B. Lesungen, Musik, Anspiele, Andacht, "kleine" Liturgie etc. stattfindet, so dass eine Verwechslung mit einem Gottesdienst bzw. einer gottesdienstlichen Versammlung deutlich und sichtbar ausgeschlossen wird.
  • Öffnungszeiten: Damit keine Verwechslung mit einem Gottesdienst entsteht, sollten die Öffnungszeiten der Kirche am Sonntag auf mindestens 3 bis 5 Stunden ausgedehnt werden, insbesondere wenn eine Öffnung für die Zeit geplant ist, an der normalerweise die Gottesdienste stattfinden.
  • Hinweise vor Ort: Darüber hinaus kann auch gut sichtbar ein Hinweis vor der Kirche oder im Eingangsbereich aufgestellt bzw. aufgehängt werden, der darauf hinweist, dass es sich bei der Öffnung um das Angebot der Offenen Kirche und nicht um einen Gottesdienst handelt. Der notwendige Empfangsdienst während der Öffnung (s.u.) kann ebenfalls Besucherinnen und Besucher auf das Angebot der Offenen Kirche hinweisen und erläutern, dass während der Öffnungszeiten kein Gottesdienst stattfinden wird.
  • Regelungen in den Kirchenkreisen: Beachten Sie bitte auch die jeweiligen Regelungen bzw. Empfehlungen für eine Öffnung an Sonntagen, inbes. zu Gottesdienstzeiten in Ihrem Kirchenkreis. Diese können Sie über Kreiskirchenamt bzw. die Superintendentur vor Ort erfahren.

b) Welche Voraussetzungen sind für eine Kirchenöffnung am Sonntag zu beachten?
Wie bei der Kirchenöffnung an normalen Wochentagen, so ist auch für eine Öffnung am Sonntag, insbes. zu Gottesdienstzeiten ein ausreichendes Hygienekonzept aufzustellen und einzuhalten. Zusätzlich zum Betreten der Kirche mit einer Mund-Nase-Bedeckung (Alltagsmaske) und dem Zurverfügungstellen eines Handdesinfektionsmittels im Eingangsbereich sind noch folgenden Regelungen mit zu beachten:

  • Eine Öffnung der Kirche sollte nicht lediglich für 2 Stunden erfolgen weil das zu einer erheblichen Besuchsverdichtung führen kann. 
  • Als Kirchengemeinde sollte man seiner Verantwortung bei der Öffnung der Kirche dadurch nachkommen, dass die Offene Kirche während der Öffnungszeiten am Sonntag durch mindestens 1 Person durchgehend beaufsichtigt wird. Bei einer größeren Anzahl von Besucherinnen und Besuchern sollte ein ausreichender Empfangsdienst eingerichtet sein, der auf die Einhaltung der Mindestabstände achtet und v.a. auch den Zugang (entsprechend den Abgängen) regelt (s. dazu auch unten Punkt 5).
  • In Anlehnung an den verschärften §11 Abs. 1 CoronaSchVO (zulässige Kundenanzahl in Handelseinrichtungen) sollte pro 10 qm Grundfläche der Kirche nicht mehr als eine Besucherin oder Besucher zugelassen werden.
  • Auf die einfache Rückverfolgbarkeit (§ 4a Abs. 1 S. 1 CoronaSchVO) könnte dann weiterhin verzichtet werden.

Sofern jedoch im Einzelfall eine Kirchengemeinde bei genauer Betrachtung nur einzelne Elemente des Gottesdienstes weglassen möchte und sich der Kirchenbesuch doch eher als eine Versammlung oder sogar als lediglich reduzierter Gottesdienst darstellen sollte, müssen die vorgelegten kirchlichen Regelungen für den Gottesdienst Anwendung finden. (aktueller Stand: 6. Januar 2021)

Hinweis: Die oben unter 2. a) und b) genannten Regelungen für eine Offene Kirche an Sonntagen, insbesondere zu Gottesdienstzeiten sind darüber hinaus auch bei Kirchenöffnungen an den auf Weihnachten folgenden Feiertagen und Sonntagen bis voraussichtlich Ende Januar 2021 zu beachten und umzusetzen.

3. Hygiene-Konzept für Offenen Kirchen
Im Unterschied zur Regelung der Gottesdienste unter Corona-Bedingungen gibt es keine landeskirchlichen Empfehlungen für ein landeskirchenweites Hygiene-Konzept für Offene Kirchen in der EKvW, die direkt in Offenen Kirchen umgesetzt werden könnten. Vielmehr gilt im Blick auf eine Kirchenöffnung unter Corona-Bedingungen, dass die Regelung eine wochentags geöffneten Kirche jeweils in Absprache mit dem jeweiligen Kirchenkreis zu treffen ist.

Daher ist jede Offene Kirche gehalten, sich hinsichtlich einer möglichen Öffnung der Kirche mit dem Kirchenkreis (Superintendentur) abzustimmen, eventuell vorhandene Hygiene-Konzepte für Offene Kirche dort abzufragen oder sich das vorhandene Konzept ggf. vom Kirchenkreis genehmigen zu lassen.

Wie im öffentlichen Raum auch sind jedoch die dort geltenden Regeln auch in Offenen Kirchen einzuhalten, d.h.

  • Die Maskenpflicht gilbt auch beim Besuch einer Offenen Kirche (s. §1 Abs. 3, jetzt in Vbg. mit §3 Abs. 2 Nr. 1 CoronaSchVO n.F.: "Die Verpflichtung zum Tragen einer Alltagsmaske besteht unabhängig von der Einhaltung eines Mindestabstands in geschlossenen Räumlichkeiten im offenen Raum, soweit diese Besucherinnen und Besuchern zugänglich sind.")
  • Der Mindestabstand von 1,5m ist auch in der Offenen Kirche einzuhalten
  • Es ist ausreichend Desinfektionsmittel (am Eingang) für Besucherinnen und Besucher mit einem entsprechenden schriftlichen Hinweis zur Benutzung bereit- und aufzustellen

4. max. Personenanzahl in einer Offenen Kirche
Eine Vorgabe bei der Quadratmeterzahl pro Person für den Kirchraum gibt es nicht. Jedoch kann jede Kirchengemeinde selbst versuchen, auf der Grundlage des geforderten Mindestabstands, eine Maximalzahl von Besucherinnen und Besuchern zu errechnen, die gleichzeitig in der Offenen Kirche sein dürfen.

5.
Begleitung der Offenen Kirche
Als Kirchengemeinde sollte man seiner Verantwortung bei der Öffnung der Kirche dadurch nachkommen, dass die Offene Kirche während der Öffnungszeiten durch mindestens 1 Person durchgehend beaufsichtigt wird.

Deren Aufgaben wären:

  • Sicherstellen, dass der Abstand zwischen Besucherinnen und Besuchern eingehalten wird.
  • Sicherstellen dass sich Besucherinnen und Besucher die Hände desinfizieren.
  • Handläufe und Klinken in bestimmten zeitlichen Abständen reinigen

6. Auslegen von Materialien in Offenen Kirchen
6.1 Ist das Auslegen von spirituellen Materialien und Texten zum Mitnehmen in Offenen Kirchen erlaubt?
Ja, das Auslegen von Materialien und (spirituellen) Texten zum Mitnehmen ist erlaubt. Im Hinblick auf Bibelkarten oder Gebetskarten ist ein rechtlicher Unterschied zu Liedzetteln, die im Gottesdienst verteilt werden, nicht zu erkennen. Solche Texte können also zum Gebrauch im Gottesdienst und zum Mitnehmen in Offenen Kirchen ausgelegt werden.

6.2 Müssen überzählige Materialien und (spirituelle) Texte bzw. Karten, die nicht mitgenommen wurden, entsorgt werden?

Nein, die überzähligen Karten können auch nach dem ersten Tag des Auslegens am nächsten Öffnungstag wieder ausgelegt werden. Es empfiehlt sich aber, an dem Platz, wo die Karten etc. liegen, ein Desinfektionsmittel bereitzuhalten und mit einem schriftlichen Hinweis Besucherinnen und Besucher um dessen Verwendung zu bitten.

6.3 Auslegen von Materialien und Büchern zum Anschauen in Offenen Kirchen
Dürfen Materialien, Bücher oder Bibeln ausgelegt werden, die man als BesucherIn während des Besuchs einsieht, aber nicht mitnimmt, also z.B. eine Bibel oder ein Meditationsbuch, in dem dann BesucherInnen blättern? - Ja, das Auslegen ist möglich.

Erläuterung:
Auf dem Hintergrund der Coronaschutzverordnung §1, Abs. 3 vom 30.10.2020 (in der ab dem 10.10.20 gültigen Fassung) können Kirchen selbst Schutz-Regelungen für Gottesdienst und andere Versammlungen zur Religionsausübung aufstellen, die sich an den Regelungen der CoronaSchVO orientieren. Diese kirchlichen Regelungen müssen keine Kirchengesetze o.ä., jedoch allgemein zum Gebrauch vorgeschrieben sein. Solche Regelungen haben sich aber an den zwingenden Regelungen der CoronaSchVO, die für andere Betriebe etc. aufgestellt sind, zu orientieren.

Dies bedeutet im Blick auf das Auslegen von Büchern, Bibeln zum Blättern und Lesen in Offenen Kirchen, dass dieses Angebot sich parallel zum Angebot von Buchläden verhält, in denen bislang das Einsehen und Blättern in Büchern möglich und erlaubt ist.

Sollten dieses Angebot in der Offenen Kirche umgesetzt werden, sollte aber auch hier, wie bei den spirituellen Texten zum Mitnehmen, ein Desinfektionsmittel incl. schriftlichem Hinweis bei diesem Angebot vorgehalten werden. Empfohlen wird darüber hinaus, solche Bücher bzw. Bibeln nicht im Kirchraum verteilt, sondern an einer Stelle bzw. auf einem Tisch im Kirchraum zu bündeln, z.B. in Form einer "(Bibel-)Leseecke" bzw. eines Büchertisches.

7. Pflicht zur Nachverfolgbarkeit von BesucherInnen einer Offenen Kirche
Besteht wie in der Gastronomie eine Pflicht für die Nachverfolgbarkeit von Besucherinnen und Besuchern einer Offenen Kirche? - Nein, eine Pflicht zur Nachverfolgbarkeit besteht nicht.

Erläuterung: In der CoronaSchVO werden in §4a die Regelungen über Rückverfolgbarkeit festgehalten. Dort wird zwischen der allgemeinen (Name, Anschrift, Telefonnummer) und der besonderen (zusätzlich Sitzplatzerfassung) Rückverfolgbarkeit unterschieden. §4a, Abs. 2 zählt dann die Bereiche auf, für die eine einfache Rückverfolgbarkeit sicherzustellen ist. Nach Nr. 1 zählen dazu dann Sitz- und Stehplätze in zulässigen gastronomischen Einrichtungen, z.B. Kantinen (vgl. §14). Seitens des Landeskirchenamtes wird jedoch keine Vergleichbarkeit zum regelmäßigen Verhalten von Nutzern einer sog. Offenen Kirche gesehen, da hier der Aspekt "geselliger Zusammenkunft" eher zurück tritt. Zudem findet in einer Offenen Kirche keine Bedienung statt und i.d.R. suchen Besucherinnen und Besucher einer Offenen Kirche eher Distanz zu anderen Personen im Raum als die besondere Nähe.

8. Ausstellungen in Offenen Kirchen
Eine Ausstellung in einer Offenen Kirche während der Öffnungszeiten z.B. in Form von Roll-Ups, wird nicht als kritisch gesehen, solange es dort nicht zu Versammlungen kommt. Führungen durch die Ausstellung in der Offenen Kirche sind ebenfalls nicht zulässig! Zugleich sollte die Bewerbung einer Ausstellung unterbleiben.

9. Weitere Hinweise und Ansprechpartner

Weitere Hinweise zum Thema "Kirchliches Leben und Corona" finden Sie auf der Homepage der EKvW - www.ekvw.de in der Rubrik "Corona Empfehlungen".

Bei Fragen zum Thema "Offene Kirchen und Corona" wenden Sie sich bitte an:

Pfr. Andreas Isenburg
Tel. 02 31/54 09-63
e-Mail: andreas.isenburg(at)igm-westfalen.de

Stand der Informationen: Dienstag, 6. Januar 2021

 

 

Pfr. Andreas Isenburg
Institut für Gemeindeentwicklung und missionarische Dienste
Olpe 35, 44135 Dortmund
Telefon: +49 (231) 54 09 63
Email

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